Bretter fügen

Bretter fügen – Hintergrund

Früher war es so, dass Tischler oder Möbelbauer auf nahezu unbegrenzt breite Bretter Zugriff hatten. Natürlich „unbegrenzt“ übertrieben, aber es gab durchaus Bäume die einen Durchmesser 120 oder 150cm hatten. Wobei man auch damals bereits sagen konnte, dass alles über 100cm Stammdurchmesser in Richtung des natürlichen Alters der Buche geht. Warum muss man also Bretter fügen?

Warum werden Bretter gefügt?

Möchte man z.B. eine Buchentischplatte mit 80cm Tiefe herstellen, so konnte man damals zwar auf einen Baumstamm mit 110cm oder 120cm zurückgreifen und die Platte aus einem Stamm herstellen; Aber auch damals konnte dann nur die Herzbohle herangezogen werden.

Hat die Herzbohle nun zwar rechts und links vom Kern stehende Jahrringe, die dafür sorgen, dass sich die Tischplatte wenig verzieht, so besitzt die Herzbohle eben auch den Kern, der nahezu immer reißt, da dort die Spannungen sehr extrem sind (gerade bei Buchenholz).

Nimmt man einen etwas größeren Stammdurchmesser könnten auch Bohlen über oder unter dem Kern herangezogen werden. Diese wölben oder schüsseln sich aber. Hier wird dann mit einer Gradleiste das Holz in Form gezwwungen!

Alles in Allem wenig zufriedenstellend!

Um den Stamm besser nutzen zu können wäre es also sinnvoll mit schmalern Brettern arbeiten zu können und damit gleichzeitig das wölben/schüsseln der fertigen Platte entgegen zu wirken.

Was heißt Bretter fügen?

Bretter fügen bedeutet eine Breitenverbindung von einzelnen Brettern zu einem breiteren Brett. Dabei werden die Längsseiten der Bretter eben und winkelig gehobelt und flächig verleimt!

Bretter fügen - aus Lamellen breites Brett erstellen
Bretter fügen – aus Lamellen breites Brett erstellen

Es gibt unterschiedliche Ansätze Bretter zu fügen. In der Industrie werden die Seiten oft Keilverzinkt und damit geworben, dass durch die größere Fläche die Leimfuge stabiler ist. Das ist zwar tatsächlich so, aber für die meisten Zwecke völlig unwichtig. Eine gut ausgeführte Leimfuge der Längsfasern (Das ist die Fuge bei der Breitenverbindung) ist die Leimfuge bei modernen Leimen immer stabiler wie das Holz selber! Eine zusätzliche Keilverzinkung in den Längsfugen ist also nicht notwendig. Nichts desto trotz ist es in der Industrie leichter, die Bretter mit einer Keilverzinkung zu fügen, da eine normale Leimfuge verrutschen kann.

Wie fügen wir Bretter?

Wie oben bereits erwähnt werden Bretter gefügt, in dem (bis auf wenigen Außnahmen) ihre schmalen Längsseiten eben und winkelig zu der Fläche gehobelt werden. Es ist von Vorteil, wenn die Bretter gleich stark (dick) sind, aber das muss nicht zwingend so sein.

Gemäß den Verleimregeln werden die Bretter nun zusammen gelegt. Wurden die Bretter gut gehobelt, so liegen die einzelnen Bretter bündig und es entsteht keine Fuge.

Ohne sichtbare Fuge können wir das Brett fügen! Mit einer sichtbaren Fuge müssen wir das Brett mit Gewalt in Form bringen. Wir zwingen das Brett! Ein Zustand der nicht gewollt sein sollte.

Je nach Holzart tragen wir nun einseitig (Nadelholz) oder beidseitig (Hartholz) Holzleim auf und spannen das Holz mit Schraubzwingen. Ob ausreichend Leim aufgetragen wurde, sieht man daran, dass der Leim auf der ganzen Länge austritt. Die genaue Kraft die benötigt wird, hängt von dem verwendetem Leim (und manchmal auch vom Holz) ab. Das habe ich aber im Beitrag Verleimen für Heimwerker (gebbing.de) beschrieben. Für die meisten Fugen reicht es soviel Kraft aufzuwenden, wie es benötigt den frischen Leim aus der Leimfuge zu pressen. Wenn ich z.B. ein Brett verleime von 60cm Länge und 2cm Stärke, so komme ich auf 120cm². Das wären z.B. bei Soudal Leim etwa 150kg Anpresskraft (auf die gesamte Fläche verteilt). Mit vier Zwingen (Flächenverteilung) muss jede Zwinge also etwa 33kg oder ~330N Anpresskraft erzeugen. Eine moderne Korpuszwinge (z.B. die von Bessey*) schafft bis zu 8.000N(!). Wir benötigen also nicht einmal ein 20stel der möglich Kraft der Korpuszwinge.

Nehmt Euch einfach mal eine Waage und bekommt ein Gefühl dafür, mit wieviel (Dreh-)Kraft Ihr Welche Spannkraft erzeugen könnt.

Gut gehobeltes/abgerichtetes Holz muss nicht in Form gezwungen werden.

Keine Regel ohne Außnahme!

Lange Bretter arbeiten an den Enden mehr als in der Mitte. Das bedeitet die Leimfuge neigt bei langen Brettern am Ende eher zum reissen. Hier kann es sinnvoll sein, die Längsseite konkav zu hobeln. Dabei reden wir aber nicht von Millimetern, sondern eher von 0,5mm oder max. 1mm (je nach Länge). Es entseht also in der Mitte der Leimfuge eine schmale sichtbare Fuge während sich an den Enden die Bretter berühren.

Verleimt man diese konkave Fuge, so entsteht an den Enden ein zusätzlicher Druck auf die Fuge und so das Lösen der Fuge entgegengewirkt.

Merksatz konkav/konvex:

Wie merkt man sich, was konkav (nach innen gewölbt) und konvex (nach außen gewölbt) ist. Dazu haben wir früher einen einfachen Merksatz gellernt.

Ist Gabis Bauch konkav, so war Gabi brav!
Ist Gabis Bauch konvex, hatte Gabi S*x.

Das ist aber nur eine kleine Anekdote aus der Vergangenheit.

Wie verhindern wir das verrutschen der Bretter?

Das Verrutschen der Bretter/Leimfuge kann durch unterschiedliche Maßnahmen verhindert wreden.

Korpuszwingen

Korpuszwingen, z.B. die von Bessey *oder Piher*, helfen dabei das Verrutschen der Bretter bzw. der Leimfuge vorzubeugen, da die Kraft die auf dei Leimfuge wirkt hier sehr senkrecht zur Leimfuge eefolgt!

Die Bessey Schraubzwingen sind wirklich gute (nutze ich selber). Heiko Rech hat jedoch hier herausgefunden, dass die Zwingen in Asien produziert werden; Was nicht schlecht sein muss. Es wird sehr viel (auch gutes) Werkzeug in Asien produziert.

Zulagen

Zulagen werden in diesem Fall plan zur Oberfläche aufgelegt und durch weitere Schraubzwingen auf die Plate festgezwungen. Bei großen Platten benötigt man in der Mitte oft Schraubzwingen mit großer Ausladung (z.B. die Bessey Tiefspannschraubzwinge*) oder aber eine konvexe Zulge. Bei einer konvexen (bauchigen) Zulage wird durch den Bauch auch in der Mitte Kraft ausgeübt, obwohl diese nur an den Enden festgespannt wird.

Dübel/Flachdübel/Domino als Fügehilfe

Ich selber nutze die Domino-Fräse* von Festool. Die kostet im SET allerdings auch über 1.000,00€. Wenn Sie nur wenige Bretter fügen wollen, so ist auch eine einfache Flachdübelfräse (z.B. die Einhell TC-BJ900* für etwas über 60,00€) ausreichend. Auch einfache Holzdübel können eine Fügehilfe sein. Der Meisterdübler* von Wolfkraft bietet hier Hilfe. Egal ob 1.000,00€, 60,00€ oder unter 20,00€; Alle Hilfsmittel verhindern das Verrutschen der Leimfuge.

Das Ergebnis

Wie oben bereits erwähnt ist eine richtig ausgeführte Leimfuge immer stabiler als das Holz drum herum. Das neu gefügte Brett kann also ganz normal weiter verarbeitet werden. Es kann geschliffen oder erneut auf Dicke gehobelt werden.

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