Der richtige Leim

Ich möchte in diesem Beitrag ein bisschen über den richtigen Leim sprechen. „Der richtige Leim“ ist dabei immer schwer zu fassen, denn die Frage ist doch immer, wofür soll es der richtige Leim sein. Auch dieser Blogbeitrag wird etwas theoretisch, aber auch die Grundlagen sind für das Holzhandwerken wichtig.

Fangen wir deshalb mit den Leimarten an:

Leimarten

Ich möchte hier nicht den Wikipedia-Artikel widergeben. Das macht auch gar kein Sinn, weil es den meisten Heimwerkern gar nicht um den chemischen Aufbau geht und noch weniger den chemischen Aufbau kennen. Es geht also nicht um Begriffe wie Glutinleim, Kaseinleim o.Ä.. Wir behandeln hier Begriffe die jeder kennt, oder jeder im Baumarkt oder Fachgeschäft kaufen kann.

Der Knochenleim

Der Knochenleim* (als Teil der Gruppe Glutinleim) besteht aus tierischen Nebenprodukten und wird durch auskochen aus diesen gewonnen. Der Knochenleim gehört zu den „historischen“ Leimen und wird heute eher von Heimerkern genutzt, die ihre Arbeit nach historischem Vorbild ausrichten. Der Leim wird in der Regel fest (in Granulatform) geliefert und muss vom Heimwerker gekocht (erhitzt) werden damit er flüssig wird. Er wird sehr hart (fast wie Glas) und hat die Besonderheit, dass die Leimfuge reversibel ist. Das bedeutet durch die Zufuhr von Hitze löst sich die Leimfuge und die beiden Leimkörper können wieder getrennt werden. Diese Besonderheit muss man kennen, denn es kann natürlich auch ein Nachteil darstellen (direkte Sonneneinstrahlung u.Ä.).

Weißleim

Der Weißleim ist hierzulande der am häufigsten genutzte Leim für den Heimwerker. Er ist ein sogenannter lösemittelfreier Dispersionsleim, welcher seinen Namen von der weißen Farbe hat, den der Leim in seiner Lieferform besitzt. Dispersionsleim, weil das Bindemittel im Wasser fein verteilt (und nicht aufgelöst) ist.

Formaldehydleim

Anders als Weißleim beinhaltet der Formaldehydleim das Lösungsmittel Formaldehyd. Daher kommt ja auch der Name. Formaldehydleim hat eine sehr hohe Kälte-, Hitze-, Feuchte- und allgemein Wetterbeständigkeit. Er wird fast ausschließlich von der Industrie z.B. im Bootsbau oder bei der Herstellung von Spanplatten eingesetzt. Der Heimwerker nutzt ihn kaum, auch wegen seiner gesundheitsschädlichen Eigenschaft.

Polyurethanleim

Immer häufiger trifft man auch bei den Heimwerkern auf Polyurethan-, PU-, oder PUR-Leim. Dessen Hauptbestandteil eben Polyurethan ist. Dass kennen sicherlich die meisten vom Bauschaum; Und einige haben auch die Erfahrung gemacht, dass der ganz schön klebrig und hartnäckig sein kann.

Polyurethan härtet nicht durch den Luftsauerstoff, sondern durch die Luftfeuchtigkeit aus.

Polyurethanleim schäumt etwas (nicht wie Bauschaum) auf, weshalb die Leimstellen immer gepresst werden müssen, damit das Aufschäumen die Klebeteile nicht auseinander drückt. PU-Leim sagt man nach, dass kleine Spalten ausgefüllt werden. Das stimmt zwar, aber diese ausgefüllten Spalten habe keine Festigkeit. Sie sind so instabil wie Bauschaum. Der Heimwerker darf also nicht denken, dass er Schlitz und Zapfen nachlässig erarbeitet um das Problem dann mit PU-Leim zu lösen.

Beanspruchungsklassen

Die Beanspruchungsklassen werden hierzulande in dei Bereiche D1 bis D4 unterteilt.

Beanspruchungsklasse D1

Die D1-Klasse ist für den Innenbereich und einer max. Holzfeuchte von 15% gedacht. Er ist also für den Trockenbereich (z.B. das Wohnzimmer) gedacht.

Beanspruchungsklasse D2

Die D2-Klasse ist für den Innenbereich und einer max. Holzfeuchte von 18% gedacht. Er ist also für den Trockenbereich gedacht, wobei der Leim kurzzeitig mit Wasser oder Kondenswasser in Berührung kommen darf. Klassisch wäre das eine Eingangsdiele.

Beanspruchungsklasse D3

Die D3-Klasse ist für den Innenbereich mit hoher Luftfeuchtigkeit und dem Außenbereich gedacht. Die Leimfuge darf häufig mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen, aber nicht direkt der Witterung ausgesetzt sein. Das kann sowohl das Badezimmer oder die Küche im Innenbereich, aber auch Gartenmöbel oder Die Terrassenüberdachung sein. Der Gartenzaun (so er Leim benötigt) darf es nicht sein, da er in der Regel direkter Bewitterung ausgesetzt ist.

Beanspruchungsklasse D4

Die D4-Klasse ist für den Außenbereich auch mit direkter Bewitterung gedacht. Auch dauerhafter Kontakt mit Feuchtigkeit macht dem Leim nichts aus. PU-Leime sind z.B. in der Regel in der Klasse D4 beheimatet.

Der richtige Leim

Es ist also gar nicht so global zu sagen, was der richtige Leim ist. Manche sind der Meinung, dass man einfach immer einen D3 (oder gar D4) Leim nehmen sollte. Es gibt aber Faktoren, die dagegen sprechen. So benötigt der Ponal Super 3 (D3)* einen um etwa 30% höheren Anpressdruck beim Verleimen. Das bedeutet möglicherweise ein Mehraufwand an Zwingen. Der Soudal P45 (D4 PU-Leim)* hat zwar den gleichen Anpressdruck wie der Soudal P30 (D3 Weißleim)*. Der D4 Leim ist aber etwa 1/3 teurer als der D3 Leim. Anhand der Klassen und des Anpressdrucks kann aber jeder den richtigen Leim für sich finden.

In dem Blogbeitrag „Verleimen für Heimwerker“ habe ich unterschiedliche Leime und deren Anpressdruck beim Verleimen aufgeführt. Hier nun die gleiche Tabelle für Art, Beanspruchungsklasse und Festigkeit:

LeimArtB.-KlasseFestigkeit
Ponal Classic*WeißleimD25,6-10N/mm²
Ponal Express* WeißleimD25,6-10N/mm²
Ponal Wasserfest* WeißleimD31,6-10N/mm²
Ponal Super 3* WeißleimD3 1,6-10N/mm²
Titebond Original* Weißleim (D2)
Titebond II* Weißleim (D3)
Titebond III* Weißleim(D3)
Soudal Pro 30 D* WeißleimD31,6-10N/mm²
Soudal Pro 45 D*PU-LeimD43,2-10N/mm²
Übersicht Leim, Art, Beanspruchungsklasse & Festigkeit

Die Angaben für Titebond stehen in Klammern, da der amerikanische Leim ja nicht der deutschen Norm (Beanspruchungsklassen) unterliegt und/oder eingeteilt wird. Auch habe ich für den Titebond Leim keine Festigkeitsangaben gefunden.

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